Energieeffizientes Bauen und Sanieren in Deutschland.

Nach dem Energiekonzept der Bundesregierung soll der Gebäudebestand in Deutschland bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein. Um das zu erreichen soll der Wärmebedarf von Gebäuden bis 2020 um 20 Prozent gesenkt werden. Bis 2050 sollen sogar 80 Prozent Energie eingespart werden. Der energetischen Sanierung des Gebäudebestands wird daher eine tragende Rolle zuteil. Wie hoch sind die Sanierungsdefizite? Lohnt sich die energieeffiziente Sanierung für den Eigentümer? Und welche Fördermittel kann man nutzen?

Ohne Frage, die Einsparpotenziale beim Thema Wärmeenergie sind noch immer die wichtigsten Stellschrauben, wenn es um Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, Energiewende und Nachhaltigkeit geht. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang die Wärmedämmung von Wohngebäuden – sei es im Bestand oder auch im Neubau. Denn: „Die privaten Haushalte benötigen mehr als drei Viertel ihres Endenergieverbrauchs, um Räume zu heizen“, erklärt Marko Mühlstein, Geschäftsführer der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH (LENA). Grund genug, dieses Thema genauer zu betrachten.

Wärmedämmung an Dach und Fassade im Fokus!
Etwa 70 Prozent der rund 19 Mio. Wohngebäude in Deutschland wurden vor 1979 errichtet. Der Modernisierungsfortschritt dieser Bestandsgebäude liegt bei nur 30 Prozent, laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI) aus dem Jahr 2015. An knapp neun Millionen Altbauten wurden noch keine oder nur geringfügige Verbesserungen des Wärmeschutzes durchgeführt – fast jedes zweite Wohngebäude in Deutschland verfügt demnach nur über einen unzureichenden Wärmeschutz.

In diesem Zusammenhang ist auch die Dachsanierung und -dämmung ein wichtiger Aspekt. So verwies das Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) in München, jüngst in einer Studie, auf 10 Mio. sanierungsbedürftige Dächer in Deutschland. Zwar sind laut FIW ca. 60 Prozent aller Dachflächen gedämmt, jedoch nicht zwingend nach derzeitig sinnvollen, energetischen Standards.


 

Rechnet sich eine Sanierung?
In der Öffentlichkeit wird jedoch zum Teil heftig über den Sinn energetischer Sanierungsmaßnahmen diskutiert. Industrie, Wohnungswirtschaft, Eigentümer und Wissenschaftler kommen in dieser Frage zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. Denn die Amortisationsdauer ist abhängig von der Art der Kostenbetrachtung (Vollkosten oder energiebedingte Kosten), dem aktuellen Energiepreis und seiner Entwicklung, den klimatischen Randbedingungen, dem Nutzerverhalten, der Finanzmarktentwicklung und der Lebensdauer durchgeführter Maßnahmen.

Kostenvorteil bei Wärmedämmung.
Gut gedämmte ökologische Häuser mit effizienter Haustechnik und Naturbaustoffen lassen sich ab 1.700 €/m² Wohnfläche erstellen und sind damit nur unwesentlich teurer als konventionelle Gebäude. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die durchschnittlichen Baukosten für Wohngebäude 2016 in Deutschland bei 1.624 €/m². Dabei schwanken die Preise deutlich und sind etwa in Bayern rund 40 % höher als in Sachsen-Anhalt.

Bei jeder Sanierung sollte unbedingt eine zusätzliche Dämmung bedacht werden, da mit dem Erreichen definierter Effizienzstandards Fördermittel genutzt werden können. „Ein guter energetischer Standard wird mit günstigen Krediten und Zuschüssen bis zu 30 % im Altbau und 15 % im Neubau belohnt, macht Marko Mühlstein (LENA) den Kostenvorteil deutlich.

Natürliche Baustoffe bei Sanierung verwenden.
Für viele Probleme der energetischen Sanierung gibt es heute Naturbaustoffe, die aufgrund ihrer Fähigkeit zu Pufferung und Weiterleitung von Feuchtigkeit hervorragend geeignet sind. Holz, Lehm oder reine Kalkprodukte enthalten keine bedenklichen chemischen Stoffe und beeinflussen so das Raumklima positiv.

So gibt es z.B. zur Kellerwanddämmung kaum etwas Sinnvolleres als einen Kalkdämmputz. Bestimmte Naturbaustoffe wie Zelluloseflocken sind zudem günstiger als konventionelle Baustoffe. Moderne Lüftungsanlagen sorgen zudem für frische Luft und können den Schadstoffgehalt in Wohnungen senken, sowohl im Neubau wie auch in sanierten Altbauten.

Gebäudesanierung muss attraktiver werden!
Fakt ist: Die Gebäudesanierung muss attraktiver werden und sich für Eigentümer rechnen! Bis Ende 2018 will die Bundesregierung das erste Maßnahmenprogramm zum Klimaschutzplan 2050 vorlegen und damit zunächst die Ziele bis zum Jahr 2030 sicherstellen.

Helfen könnten dabei Maßnahmen wie Förderungen durch KfW oder das Programm Sachsen-Anhalt MODERN der Investitionsbank Sachsen-Anhalt (siehe Praxisbeispiel zum Download), steuerliche Anreize, Investitionszuschüsse, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und die Verbesserung der Fachkräftesituation.

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