Baukindergeld soll Eigentumsquote fördern - 1.200 Euro pro Kind und Jahr

Wohnraum wird immer knapper in deutschen Ballungszentren, gleichzeitig liegt die Wohneigentumsquote nach wie vor stabil bei nur 45 Prozent. Damit belegt Deutschland den vorletzten Platz innerhalb Europas, gefolgt nur von der Schweiz. Das soll sich ändern, hat die Bundesregierung beschlossen und deshalb das Baukindergeld für Familien ins Leben gerufen.

Gezahlt werden soll die Finanzspritze an Familien mit Kindern, die Wohneigentum erwerben oder neu bauen wollen. Pro Kind gibt es 12.000 Euro, ausgezahlt in zehn Jahresraten. Einen Antrag bei der KfW für Baukindergeld können alle Menschen mit wenigstens einem Kind stellen, die seit Januar 2018 einen Kaufvertrag abgeschlossen oder eine Baugenehmigung erhalten haben.

 

Förderung nur für kurze Zeit verfügbar
Allerdings ist der Säckel der Bundesregierung nur für kurze Zeit geöffnet, den Zuschuss gibt es lediglich bis Ende 2020. Damit will der Staat die Kosten im Griff behalten, die sich nach vorläufigen Berechnungen auf zehn Milliarden Euro belaufen. Sollte die Nachfrage freilich groß sein, so ließ Finanzminister Olaf Scholz verlauten, könnte die Summe erhöht werden.

 

Baukindergeld an Einkommen gekoppelt
Neben der zeitlichen Begrenzung gibt es einen weiteren Haken: Das Baukindergeld ist an das Einkommen der Eltern gekoppelt. Ein Ehepaar mit einem Kind darf maximal 90.000 Euro im Jahr verdienen, bei zwei Kindern dürfen es höchstens 105.000 Euro sein, bei drei Kindern 120.000 Euro. Die Kinder müssen im Haushalt leben, und die Familie darf keine andere Immobilie besitzen.

Familien profitieren bei Finanzierung einer Immobilie
Ob das Baukindergeld das erwünschte Ziel erreicht, wird von Experten bezweifelt. Der Mitnahmeeffekt von Menschen, die ohnehin eine Eigentumswohnung in Halle kaufen oder ein Haus in Halle bauen wollen, dürfte groß sein. Ralf Bauer, Geschäftsführer der immoHAL Immobilienberatungs- und Vertriebs GmbH, sieht dennoch die positive Seite: „Es profitieren Familien bei der Finanzierung einer Immobilie. Bei drei Kindern stehen 36.000 Euro als Kapitalanteil zur Verfügung, der von der finanzierenden Bank auch positiv berücksichtigt wird.”

 

Förderung ändert nichts an Flächenknappheit in Halle
Die Finanzspritze wird jedoch am Problem des mangelnden Wohnraumes nicht viel ändern können. Beispiel Halle: die Saalestadt ist limitiert, Bauland zur Verfügung zu stellen sehr schwierig. Denn nach Jena verfügt Halle über die kleinste Stadtfläche aller ostdeutschen Großstädte. Neben dem Riebeckplatz befinden sich kommunale Entwicklungsflächen unter anderem noch in Heide-Süd, Wörmlitz, Büschdorf und im Sanierungsgebiet an der Merseburger Straße. An der Muldestraße in Halle-Neustadt wird ein weiteres Baugebiet entwickelt.

Nicht viel Fläche also insgesamt für die prosperierende Universitätsstadt Halle, deren Einwohnerzahl inzwischen kontinuierlich steigt. Für Ralf Bauer ist deshalb auch klar: „Einkommensschwache Familien in Ballungsräumen werden sich auch durch eine Förderung in der geplanten Höhe kein Wohneigentum leisten können”, so der erfahrene Immobilienfachwirt und Wertgutachter in Halle.

 

Bundesregierung plant Steuerbonus für Schaffung von Wohnraum
Allerdings plant die Bundesregierung noch weitere Anreize für die Schaffung von Wohnraum. So soll ein Steuerbonus dafür sorgen, dass private Investoren mehr bezahlbare Wohnungen bauen. Dafür will der Bund zusätzlich zur normalen Abschreibung für vier Jahre eine Sonderabschreibung von jährlich fünf Prozent gewähren. Der Bonus soll für alle Bauanträge zwischen dem 31. August 2018 und Ende 2021 gelten.