Interviews

Büro- & Praxisflächenvermietung

Der Herr über die Büros - Büro- und Praxisflächenvermietung unter die Lupe genommen

Interview mit Rafael Schaefer, Team Gewerbevermietung

Moderne Glasfassade, repräsentativer Eingangsbereich, Fahrstuhl, Parkplätze und Schreibtische so weit das Auge sehen kann – so oder so ähnlich stellen sich die meisten heute wohl ein Büro vor. Welche Standards das Büro von heute vorweisen muss, wie es um den halleschen Büromarkt bestellt ist, welche Trends es gibt und wo aktuell die Top-Einheiten zu finden sind, berichtet im nachfolgenden Interview Herr Rafael Schaefer, Dipl. Betriebswirt der Immobilienwirtschaft und Fachmakler bei der Firma immoHAL.

Herr Schaefer, Sie sind der Spezialist für die Vermietung von Büro- und Praxisflächen. Wo finden wir denn den Büro-Hotspot in Halle?

Einen direkten „Hotspot“ gibt es nicht. Allgemein kann man sagen, dass sich ein Großteil der Einheiten im innerstädtischen Bereich befindet – alles rund um den Altstadtring. Ich differenziere in die Kategorien „große Bürohäuser“ und „kleine Büroeinheiten“. Moderne Bürokomplexe sind u.a. das Ritterhaus, das Stadtcenter Rolltreppe, das Charlottencenter, das Signal-Iduna-Haus, das Händelhauscarree, das MMZ und das Gebäudeensemble in der Ankerstraße. Sie sehen, diese konzentrieren sich überwiegend im innerstädtischen Bereich. Kleinere Einheiten sind eher in den Wohn- und Geschäftsvierteln zu finden, wie z.B. im Mühlweg- und im Paulusviertel.

Wie ist denn die Situation aktuell am Büromarkt?

Es gibt moderne Bürohäuser mit großen abgeschlossenen Einheiten ab ca. 300 m², sowie kleine und marktfähige Einheiten um ca. 150 m². Aber auch diverse Einheiten im großen und kleinen Flächensegment, die nicht dem modernen Standard entsprechen. Nachgefragt werden gegenwärtig vor allem Büroeinheiten in der Größenordnung von 80 bis 200 m². Mietverträge werden hauptsächlich mit einer Laufzeit von 2 bis 5 Jahren abgeschlossen. Die Gewährung von Incentives, wie z.B. mietfreie Zeiten, Investitionszuschüsse bei Umgestaltung der Mietfläche durch den Eigentümer, spielen weiterhin eine wesentliche Rolle für den erfolgreichen Abschluss eines Mietvertrages. Die Mietpreise sind weitestgehend stabil geblieben und bewegen sich in Halle durchschnittlich um die 5,00 bis 6,00 Euro pro Quadratmeter (Netto-kalt). Der Gesamtbestand an freien und vermieteten Büroflächen ist konstant geblieben. Leerstände (Angebotsreserve) finden wir sowohl in den Top- als auch in den Nebenlagen. Vorwiegend sind Umzüge von Unternehmen innerhalb der Stadt zu verzeichnen – Zuzüge nationaler und internationaler Unternehmen sind eher selten der Fall – wären aber wünschenswert.

Sie sagten gerade, dass es in Halle viele Umzüge, aber wenig Zuzüge gibt. Wie meinen Sie das und welche Auswirkungen hat es auf den Markt?

Wirtschaftsraum Halle-Leipzig – viel hat sich getan – im Bereich Logistik und produzierendes Gewerbe boomt die Region. Leider trifft das in dem Maße nicht auf den Dienstleistungssektor zu. Halles Innenstadt und angrenzende Stadtteile, so scheint es, werden für eine Neuansiedlung von Dienstleistungsunternehmen wenig nachgefragt - zumindest lassen Zuzüge größerer Unternehmen auf sich warten. Hauptsächlich sind bereits ansässige Firmen auf der Suche nach neuen Büroflächen. Es kommt also nicht zu zusätzlichen Anmietungen, sondern nur zu einem Standortwechsel. Das Wort „Rotation“ beschreibt die gegenwärtige Situation am Markt ziemlich treffend. Das eigentliche Problem hierbei ist, dass so nur ein bestimmtes Kontingent an Fläche genutzt wird – es stehen viele Einheiten leer, weil es im Moment keine zusätzlichen Abnehmer gibt. Die Konsequenz: Wir haben viele „alte“ Flächen, deren Ausstattung dem heutigen Standard nicht mehr entsprechen und erst einmal wieder „marktfähig“ gemacht werden müssen, um eine nachhaltige Vermietung zu ermöglichen.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die Hauptgründe für den Umzug eines Unternehmens?

In erster Linie geht es den Mietern von Büro- oder Praxisflächen um räumliche Veränderung, qualitative Verbesserung der Ausstattungsmerkmale und Flächen- bzw. Kostenoptimierung. Meine Erfahrung zeigt, dass jetzt suchende Unternehmen nicht unbedingt expandieren wollen, vielmehr wird nach überschaubareren Vertragslaufzeiten und vorteilhafteren Mietkonditionen gesucht. Ob nun ein besseres Preis-/ Leistungsverhältnis der Mietfläche oder ein ansprechenderes Umfeld – nach wie vor sind Lage und Ausstattung die wichtigsten Kriterien für den Sitz eines Unternehmens. Flächen, die vor 10 Jahren angemietet wurden, weil sie damaligen Anforderungen entsprachen, genügen so heute oft nicht mehr. In der Regel fehlen Stellplätze für Mitarbeiter und Kunden, Fahrstühle oder behindertengerechte Zugänge. Auch zusätzliche Server- und Archivräume werden immer mehr benötigt und nachgefragt. Der Trend geht immer mehr in Richtung „modernes Büro“.

“Modernes Büro“? Klären Sie uns doch auf, was Sie darunter verstehen.

Das moderne Büro ist, um es auf den Punkt zu bringen, vor allem schlau, schnell und flexibel. Hier geht es nicht um völlig neue Zukunftsbauten – vielmehr hat der Arbeitsalltag neue Anforderungen mit sich gebracht. Eine wichtige Rolle spielt z.B. das Internet. Ein Internetanschluss mit hoher Bandbreite ist für den Vermietungserfolg zunehmend unerlässlich. Weiterhin muss auch die Art und Weise der Verkabelung von Büroeinheiten mobiler werden. Verdeckte Kabelkanäle (Strom, Telefon, Internet) in Verbindung mit Bodentanks bieten die optimale Lösung um „Kabelsalat“ quer durch den Raum zu vermeiden. Arbeitsplätze können so ganz individuell und unabhängig von der nächsten Steckdose eingerichtet und Stolperfallen vermieden werden. Flexible Raumaufteilung sprich variable Raumgrößen können die Vermietung erheblich erleichtern, denn so kann schneller auf individuelle Mieterwünsche eingegangen werden. Das Thema Sicherheit (Wachschutz und Concierge-Dienste) gewinnt ebenfalls an Stellenwert. Auch der Einbau von Aufzügen, Klimaanlagen und behindertengerechten Zugängen wird künftig unverzichtbar sein. Modern heißt einfach nutzerfreundlich, zeitgemäß und effizient.

"Das moderne Büro ist, um es auf den Punkt zu bringen, vor allem schlau, schnell und flexibel."

Gerade abgenutzte Büroeinheiten haben so ihre Probleme mit einer Anschlussvermietung. Viele stehen bereits über Monate leer. Was würden Sie den Eigentümern raten, damit es mit der Vermietung doch noch klappt?

Ausschlaggebend für die Vermietbarkeit sind erfahrungsgemäß: Preis, Ausstattung, Grundriss und Lage. Der Eigentümer bzw. Vermieter sollte, im Falle eines längeren Leerstandes, seine Einheit genau analysieren und gegebenenfalls auf einen aktuelleren Stand bringen. Die Büroeinheit verfügt nicht über DSL? Als Vermieter sollten Sie sich zumindest darüber informieren, welche Bandbreite möglich ist und wie schnell im Bedarfsfall ein Anschluss erfolgen kann. Ist vielleicht der Bodenbelag schon zu sehr abgenutzt? Ein neuer gewerbetauglicher Boden macht auf einen Mietinteressenten schon einen ganz anderen Eindruck, als ein Teppich mit Flecken, Löchern oder „Laufstraßen“. Behauptungen wie „die Mieter wollen nur noch Laminatboden“ kann ich nicht zustimmen - hier spielt die Art der Nutzung eine entscheidende Rolle. Für eine Arztpraxis ist ein wischbarer PVC-Belag die pflegeleichte und hygienische Lösung – für Callcenter oder auch Kanzleien bietet Teppich vor allem den Vorteil des Schallschutzes. Ich denke da speziell an die Geräusche von Stuhlrollen. Auch ein freundlicher Eingangsbereich kann viel zur Vermietbarkeit beitragen. Ein Anstrich in einem ansprechenden, freundlichen Farbton sowie eine gute Beleuchtung wirken auf potentielle Mieter und auch dessen Kunden einladend und implizieren Sicherheit. Geringer Kosteneinsatz mit erheblichen Effekt, denn ein gepflegtes Haus spricht für einen Vermieter, der sich um seine Immobilie und um seine Mieter kümmert. Ebenfalls vermitteln gepflegte Firmenschilder ein positives Erscheinungsbild. Fazit: Büroeinheiten sind Verschleißimmobilien. Bevor ein Mieter gesucht werden kann, muss erst ein vorzeigbarer Zustand geschaffen werden. Ein Büro mit „Top-Standard“ wird erfahrungsgemäß sehr viel schneller wieder vermietet.

Also ist das Erscheinungsbild ausschlaggebend für eine vermietbare Büroeinheit?

Ein wichtiger Punkt, aber Aussehen allein ist ja bekanntlich nicht alles. Selbst eine gepflegte Einheit kann über einen längeren Zeitraum hinweg leer stehen – wenn Raumaufteilung oder Umfeld nicht passen. Früher waren Einheiten mit vielen kleinen Räumen gefragt – heute soll es offener und großzügiger sein. Der Vermieter könnte überlegen, ob nicht hier und da eine Wand entfernt werden kann, um so der aktuellen Nachfragesituation gerecht(er) zu werden. Generell würde ich empfehlen, sich mit der aktuellen „Büromarktsituation“ auseinander zu setzen - ob und in wie weit in jeweiliger Bürolage überhaupt eine Nachfrage besteht. Was hat das Umfeld darüber hinaus zu bieten? Welches Klientel finde ich im Umfeld? Welche Gewerbe sind bereits vorhanden? Wie ist die Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmitteln? 

Ist die Umfeldanalyse abgeschlossen, empfehle ich eine genauere Betrachtung der Bestandteile der Mietsache und deren Nutzbarkeit. Welche Fläche wird angeboten und wie gestaltet sich der Grundriss? Für welches Gewerbe ist die Raumaufteilung geeignet? Gibt es einen Aufzug? Sind PKW-Stellplätze vorhanden oder können zusätzlich welche angemietet werden? Verfügt die Einheit über einen Teeküchenbereich? Wie ist die Aufteilung der Toiletten? Sind diese Fragen beantwortet erschließt sich vielleicht ein ganz neues Mieter-Klientel. Ein z.B. als Call-Center genutztes Büro verlangt nicht unbedingt wieder das gleiche Gewerbe – vielleicht sind die Räume für ein Architekten-Büro noch viel besser geeignet? Eine realistische Betrachtung der Einheit kann helfen, einen passenden Mieter zu definieren - das ist oft schon eine gute Basis.

Und wenn all das nicht hilft?

Viele Büroflächen konzentrieren sich auf den innerstädtischen Bereich, wie z.B. Leipziger Straße, Große Ulrichstraße, Marktplatz oder auf die beliebten Wohn- und Geschäftsgegenden wie Paulusviertel oder Mühlweg. Die Vermietung in diesen Lagen gestaltet sich positiver, wobei man auch hier sagen muss, dass ein fehlender Aufzug bei Büroflächen ab dem 2.OG ein K.O.-Kriterium sein kann. Flächen in Einzellagen sind schwieriger zu vermitteln – sie sind, im Vergleich zu Objekten am Innen- oder Altstadtring, weniger attraktiv. Wenn es keine Nachfrage gibt, bzw. die Ausstattung nicht dem heutigen Standard entspricht, dann macht das Warten auf einen gewerblichen Mieter wenig Sinn. Hin und wieder finden wir in Halle die Situation, dass nicht vermietbare Büro- und Praxisflächen wieder in Wohnraum „umgewandelt“ werden, was auch zum Rückgang der zuvor genannten Angebotsreserve führt. Ein Umbau von kleineren Einheiten (bis 100m²) ist manchmal wohl eine naheliegende Alternative zum Leerstand. 

Warum eine Fläche, die nichts abwirft „am Leben halten“, wenn eine Umbaumaßnahme wieder Geld einspielen kann? Hier kann ich nur empfehlen Rat bei einem Fachmann, also z.B. bei mir, zu suchen. Gemeinsam können wir alle o.g. Faktoren besprechen und analysieren, Chancen und Trends abwiegen, und im Bedarfsfall neue Nutzungskonzepte erstellen.

Marktkenntnis und das Wissen um die Bedürfnisse potentieller Mieter sind also Stützpfeiler einer erfolgreichen Büro- und Praxisflächenvermietung. Für einen Laien ist das ein ganz schön umfangreiches Projekt – nicht ohne Grund raten Sie zu einem Fachmann.

In erster Linie möchte ich hervorheben, dass mein Team und ich qualifizierte Fachleute sind. Ich habe mich nach meinem Studium der Immobilienwirtschaft auf die Vermietung und Vermarktung von gewerblichen Flächen spezialisiert. Den Fokus auf ein Segment des Immobilienmarktes zu setzen bringt den Vorteil, absolut zielorientiert und effizient arbeiten zu können. Neben regionaler Marktkenntnis, Kompetenz und Erfahrungswerten können wir auch mit unserer eigenen Marketing-Abteilung punkten. Gemeinsam analysieren wir Stärken und Schwächen einer Fläche, definieren die Zielgruppe, erstellen Nutzungs- und Optimierungskonzepte und bereiten die Immobilie werbewirksam auf. Seit Anfang des Jahres gibt es neben einer starken Internetpräsenz, Messeauftritten, Aushängen und Flyern auch eine monatlich erscheinende, hauseigene Immobilienzeitung mit den aktuellsten Gewerbeflächen. Weiterhin arbeiten wir eng mit der Wirtschaftsförderung zusammen und können auf viele exzellente Kontakte zurückgreifen – ein absoluter Pluspunkt und Mehrwert für unsere Kunden. Auch im Punkto Sicherheit sind wir für unsere Kunden da: Wir qualifizieren Interessenten, ermitteln ihre Bonität. So kann der Auftraggeber sicher sein, dass wir sein Objekt nur vorführen wenn ernsthaftes Interesse besteht und die Bonität der potentiellen Mieter überprüft wurde – man möchte schließlich Gewissheit haben, dass hinter einem Konzept auch die nötigen Mittel zur Verfügung stehen. Wenn Sie also sicher, kompetent, effektiv und zu einem guten, marktkonformen Preis vermieten möchten, bin ich bei der Firma immoHAL genau der richtige Ansprechpartner.


Artikel aus der 6. Ausgabe (September) der HallescheImmobilien-Zeitung

Einzelhandelsvermietung

Business in the City - Gewerbeflächenvermietung mit immoHAL

Interview mit Rafeal Schaefer, Team Gewerbevermietung

Die Lage zählt – oder?

Lage, Lage, Lage – ein wichtiger Punkt, wenn man erfolgreich seine Einzelhandels- und Gastronomieflächen vermieten möchte, aber eben nicht der einzige. Was auch zählt, und all zu oft unterschätzt wird, ist das Umfeld, das Ambiente und die Art und Weise, wie die Gewerbeeinheit genutzt und gestaltet werden könnte. Eben die richtige Idee, das richtige Konzept zur Immobilie. 

In Halle sind Marktplatz und Hallmarkt, Leipziger Straße, Große Ulrichstraße, Große Steinstraße und Hansering die Top-Gewerbelagen, das ist klar. Eine gute Verkehrsanbindung und eine hohe Frequentierung sprechen hier für sich. Aber um heute wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben, bedarf es einer genauen Analyse der Nachfragesituation, einer guten Idee und dem dazu passenden Konzept. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und somit auch, welche Gewerbe sich ansiedeln und welche nicht, wie erfolgreich man mit seiner Geschäftsidee ist oder eben auch nicht.

Herr Rafael Schaefer, Fachmakler für Einzelhandels- und Gastronomieflächen bei der Firma immoHAL, berichtet im nachfolgenden Interview von seinen Erfahrungen und Vorgehensweisen, aktuellen Begebenheiten am Markt und informiert über Tendenzen und Probleme im Einzelhandelssektor.

Herr Schaefer, Sie und Ihr Team sind ja nun die Top-Adresse für die Vermietung von Einzelhandels- und Gastronomieflächen. Was können Ihre Auftraggeber von Ihnen erwarten? Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Ich habe mich als Makler auf die Vermietung von gewerblichen Einheiten spezialisiert, d.h. seit über 8 Jahren mache ich also nichts anderes, als mich mit der Marktsituation und -entwicklung der Stadt Halle zu beschäftigen. Ich weiß sehr genau, was in Halle angeboten und nachgefragt wird. Aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung bin ich in der Lage, die Richtung abzuschätzen, in die sich der Einzelhandel hier vor Ort tendenziell entwickeln wird. Absolut notwendig für eine schnelle und nachhaltige Vermietung. Also zusammenfassend: Eigentümer können von mir und meinem Team vermieterorientiertes Denken und Handeln, eine fach- und marktgerechte Beratung, Beurteilung und Bewertung ihrer Immobilie erwarten.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie mit der Vermietung einer neuen Fläche beauftragt werden?

Zu Beginn sehe ich mir die zu vermietenden Flächen natürlich erst einmal genau an. Wie ist der Grundriss, welche technischen Details gibt es, welche Besonderheiten liegen vor. Wie ist die Ausstattung, welche Materialien wurden verwendet. Ich muss ein Gefühl für die Qualität der Einheit bekommen. Weiterhin betrachte ich die Lage der Fläche. In welchem Stadtteil liegt die Immobilie und wie ist der Standort innerhalb des Straßenzuges. Auch das Umfeld und das Entwicklungspotential dieses Standortes spielen eine wesentliche Rolle. Ich sehe mir ganz genau an, welche Produkte oder Dienstleistungen in direkter Nachbarschaft angeboten werden und auf welchem Niveau sie sich bewegen. All diese Faktoren bilden die Grundlage für eine marktgerechte Einpreisung.

Sie haben von Ausstattung und Materialien gesprochen – Welche Rolle spielen diese Komponenten bei der Vermietung?

Dem Vermieter liegt in der Regel viel daran, schnellstmöglich zu vermieten, um Leerstand zu vermeiden. Meine Aufgabe besteht u.a. auch darin abzuklären, inwieweit der Eigentümer bereit ist, in einen guten Mieter, also einen langfristigen Mieter, zu investieren. Da ist vor allem die Rede von pflegeleichten und robusten Böden, einer schnellen DSL-Leitung, Umgestaltung der Schaufensterfront oder der Zugangssituation oder auch Umbauarbeiten entsprechend des aktuellen Bedarfs. Sie können sich sicher vorstellen, dass es schwieriger ist, eine Fläche mit empfindlichem Teppichboden zu vermieten, als eine mit einem Fliesenboden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade in den Top-Lagen, sprich Große Ulrichstraße oder Marktplatz, von Vorteil sein kann, die Ausstattung „offen“ zu lassen. So können Mieter ihre Wünsche bzw. Vorzüge nennen – das kann eine Vermietung ungemein erleichtern.

Sie haben nun die Fläche preislich eingewertet und haben das „Go“ für die Vermarktung erhalten. Wie gehen Sie weiter vor?

Jetzt beginnt die Bewerbung: Es werden aussagekräftige Fotos von der Gewerbeeinheit gemacht und werbewirksame Exposés erstellt. Wir präsentieren die Immobilie auf unserer eigenen Homepage www.immoHAL.de und auf weiteren 24 Internetportalen. Soweit eine Objektbeschilderung möglich ist, werden Plakate oder Werbeschilder an der Einheit angebracht. Seit März 2011 bringt immoHAL auch eine eigene Zeitung heraus - die Hallesche ImmobilienZeitung. Sie erscheint einmal im Monat und beinhaltet u.a. ca. 80 aktuelle Gewerbeflächen – nur ein Auszug aus unserem umfangreichen Angebot. Wir pflegen eine wirklich ausgezeichnete Datenbank, so dass wir oft schon „einen Kunden bei der Hand haben“, sobald wir eine neue Fläche in Auftrag bekommen. Des weiteren betreiben wir Zielgruppenmarketing auf hohem Niveau. Das bedeutet, dass wir mit unserer objektspezifischen Werbung genau diejenigen ansprechen, die auch zur Einheit unseres Auftraggebers passen. Nicht jeden ansprechen, sondern den Richtigen – das ist unser Ziel.

Das Objekt hat nun die Aufmerksamkeit eines potentiellen Mieters geweckt. Was passiert jetzt?

Zunächst werden das, oder im Falle von mehreren Interessenten, die jeweiligen Konzepte geprüft. Aufgrund meiner Qualifikation und Erfahrung kann ich Geschäftsideen und deren Chancen gut einschätzen und weiß, mit welchem Konzept eine nachhaltige und langfristige Vermietung am ehesten zu realisieren ist. Jedoch zählt nicht nur das vielversprechendste Konzept. Der Mieter und sein Konzept müssen zu den Vorstellungen des Vermieters und den Gegebenheiten seiner Fläche passen.

Wie ist das gemeint?

Wenn eine Ladeneinheit zum Beispiel von hoher Qualität ist, dann liegt es wohl kaum im Interesse des Vermieters, wenn sich ein, ich nenne es jetzt mal, „Ramsch-Laden“ einmietet.

Sie sprechen immer wieder von „langfristig“ und „nachhaltig“. Warum legen Sie so viel Wert darauf? Vermietet ist doch schließlich vermietet.

Dem kann ich so nicht zustimmen. Sicher ist es gut für den Eigentümer, wenn seine Einheit vermietet ist – gut, wenn eine Anschlussvermietung klappt. Jedoch verbessern ständig neue Mieter den Mietgegenstand sicher nicht – im Gegenteil. Unter stetigen Ein- und Auszügen leidet die Fläche. Würden Sie als Mieter Geld in eine Filiale stecken, wenn Sie genau wüssten, dass Sie Ihr Geschäft maximal 6 Monate betreiben wollen?

"Jede Immobilie ist etwas Besonderes - genau so individuell wie auch die künftigen Mieter."

Das ist nachvollziehbar. Nun haben Sie einen guten Mieter mit einem vielversprechenden Konzept ermittelt – wie geht es jetzt weiter?

Die Bonität der zukünftigen Mieter wird geprüft. Wenn die Finanzierbarkeit gesichert ist, geht es an die Formulierung eines Mietvertrages. Hier steckt meist „der Teufel im Detail“. Jede Immobilie ist etwas Besonderes - genau so individuell wie auch die künftigen Mieter. Da gilt es Vorstellungen und Wünsche abzugleichen. Es werden solange Verhandlungen geführt, bis jede der beiden Parteien zufrieden ist. Schließlich ist das eine Art Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren sollen. Mein Ziel ist eine klassische Win–Win-Situation.

Jetzt haben Sie ja ausführlich über Ihre Arbeit und Vorgehensweisen berichtet. Ich würde gerne noch kurz auf die aktuelle Situation am halleschen Einzelhandelsmarkt eingehen:

Betrachtet man nämlich momentan z.B. die Große Ulrichstraße stellt man fest, dass es sich bei jeden dritten Geschäft um einen Backbetrieb handelt. Wie erklären Sie sich diese „Monokultur“?

Vor ein paar Jahren waren es die Handyläden - heute sind es Backshops, die überall aus dem Boden schießen. Es handelt sich um eine Art Modeerscheinung. Wenn eine Geschäftsidee gut läuft, wollen andere selbstverständlich auch was vom Erfolgskuchen abhaben. Logisch, wenn man es von der wirtschaftlichen Seite betrachtet.

Welche Auswirkungen hat das auf den Markt bzw. den Absatz ?

In erster Linie wird die Einkaufskultur für Kunden schnell eintönig. Ein gesunder Branchenmix im Straßenzug ist wichtig für den Erfolg von Einzelhandelsunternehmen – weniger direkte Konkurrenz erhöht die Absatzchancen und sichert so auch langfristig die Existenz. 

Ein weiteres Problem bei solchen Modeerscheinungen ist der ständige Kampf um Kunden. Was am Anfang noch boomt muss noch lange nicht auf Dauer funktionieren. Schnell sind Kunden gelangweilt und bleiben aus. Je mehr vergleichbare Gewerbe sich auf ein kleines Gebiet konzentrieren, desto mehr Sonderaktionen werden gefahren – ein beharrliches Preis-Unterbieten ist die Folge. Am Ende gewinnt derjenige mit dem längeren Durchhaltevermögen.

Welche Probleme entstehen für das Umfeld bzw. andere Eigentümer?

Natürlich kommen für diese „Trendshops“ nur Top-Lagen in Frage. Um den besten Standort für sich zu sichern, werden die Quadratmeterpreise künstlich in die Höhe getrieben – einer überbietet den anderen. Man gönnt der Konkurrenz natürlich nichts. So zahlen manche Mieter gerne einen eigentlich überdurchschnittlichen Mietpreis – die saisonale Nachfrage beeinflusst den Mietpreis erheblich. Für mich als Fachmakler für Einzelhandelsflächen ist es dann manchmal schwierig, einem Eigentümer zu erklären, warum der Quadratmeterpreis, wie 10 Geschäfte weiter in Richtung Markt, bei ihm nicht zu erzielen ist. 50 m machen bei einem Straßenzug schon sehr viel aus. Wohl oder übel ergibt sich bei diesen 50 m schon eine andere Frequenzlage, so dass eine 1:1 Übertragung des Preises nicht realistisch ist. Da leistet man als Makler schon echte Überzeugungsarbeit. Schlussendlich zählt doch aber eines: Angebot und Nachfrage müssen aufeinander abgestimmt, Chancen erkannt werden. So klappt es auch mit einer erfolgreichen Vermietung.

Ansprechpartner

Rafael Schaefer
Dipl. Betriebswirt
für Immobilienwirtschaft (FH)
Teamleiter
Gewerbeflächenvermietung
(0345) - 52 04 90
Gewerbe@immoHAL.de